Mittwoch, 1. Oktober 2014

Mit Verlaub

Man muss sich doch auch mal wieder in Ruhe Gedanken machen dürfen. Mit Verlaub. Sage ich. Kea Laverde, der Ghost aus den Schmöe-Krimis. Allmählich wird es gespenstisch. Ich meine, ich sitze einfach hier im Shamrock, stundenlang, bei einem Pint, okay, manchmal bei mehreren, und zimmere mir die Welt zurück. Ich brauche das einfach: Zurückgezogenheit. Besinnung. Ich lege sämtliche Zwitscherkanäle still und lausche auf den Buzzzzzz in meinem Kopf. Kommen Sie mir nicht damit, dass die neuen Kommunikationsmedien das Leben erleichtern. Sie bringen den Topf zum Toben, wie 10 Brausetabletten in einer Espressotasse. Denn bei den ganzen "Nachrichten" geht es ja nur um Infos. Platte, kalte Daten, die um Aufmerksamkeit buhlen, indem sie suggerieren, sie wären wichtig.
Sind sie manchmal. Aber oft - nicht.
Mir geht es auf den Keks. Ständig meldet sich jemand digital und will geliked, angeklickt oder irgendwie anders beachtet werden. Merci, dass ihr mich für so wichtig haltet, Leute! Bin ich nämlich nicht. Ich bin nur ein Geist, ein Schreiberling, jemand, der sich Gedanken macht und die Innenwelten seiner Kunden kennenlernt. Ich tauche in diese Leben ein und lebe sie ein Stück mit. Dazu braucht es Sammlung, nicht Zerstreuung.
Das Internet und die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten jedoch zerstreuen. Mehr als das. Sie zermürben. Auf nichts kann man sich mehr konzentrieren. Man darf bei keinem Gedanken bleiben, sondern soll sofort reagieren. Besser gesagt: klicken. Wieder ein paar Daten zurückjagen durch das weltweite Netz. Ich gebe zu: in mir wächst der Überdruss.
Denn das Geschriebene ist mir einfach zu wertvoll. Der alte Gedanke - die Worte verfliegen, aber das Geschriebene bleibt - der gilt heute nur mit der Einschränkung, dass das digitale, gehypte Geschriebene auch recht flott verfliegt. Im Nirvana gigantischer Server untergeht. Alles ist bloß so hingeworfen, man schnappt es auf, und schon ist es konsumiert, ohne sehr viel mehr Gewinn zu bringen als die sekundenkurze Befriedigung, auf einen neuen Reiz reagiert zu haben.
Was wirklich bleibt, ist das Geschriebene, für das man auch mal analysiert und gedeutet hat. Das man vor einem Hintergrund sieht. Das man lange drehen und wenden kann, bis man etwas hinzufügen oder darauf reagieren will. Bisweilen will ich mich in meinen Gedanken auch verstecken. Erst einmal brüten, bevor etwas draus wird. Diskret ausprobieren. Kontexte wahrnehmen. Interpretieren.
Mit Verlaub. Ich lasse mein Nervensystem weder überfordern noch abstumpfen. Ich bleibe im Shamrock, mit meinem Pint, und strukturiere mein nächstes Projekt.
Noch einen schönen Tag.
Ihre
Kea Laverde


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