Freitag, 4. Januar 2013

Sprache gibt's gratis

Sagt Kea Laverde.
Guten Tag aus dem Shamrock, ich habe mich lange nicht zu Wort gemeldet, aber jetzt muss es mal sein. Thema: Sprache.
Sprache kostet nichts. Wir alle können uns bedienen. So viel nehmen, vertilgen, aufspießen, einstecken und zusammenraffen, wie wir wollen. Weil sie gratis zu haben ist, kann man sie auch leicht wieder hergeben. Nur: Warum tun wir das nicht?
Die meisten nutzen immer dieselben Worte und Ausdrücke. Dadurch werden sie bräsig, matt und leer. Man nennt sie dann auch "Floskeln". Fällt mir zur Zeit vor allem an einem prägnanten Beispiel auf. "Das ist nicht so toll."
Wie bitte? Nicht so toll? Konflikte, Kriege, Chaos, Krankheit, Kummer, Betrug, Erpressung, Hinterzimmertreiben, Täuschung, Trickserei, Tod? Ich könnte beinahe unendlich fortfahren. Das alles soll "nicht so toll" sein?
Du lieber Himmel. Nicht, dass das Deutsche uns nicht ausreichend Material an die Hand gibt. Darf ich vorstellen: Hier wären einige aussichtsreiche lexikalische Kandidaten, die einen neuen Wirkungskreis suchen.
Wir wäre es zum Beispiel mit "schlecht"? Soll es moralisch schlecht sein, dann gern böse, verwerflich, verworfen, sittenwidrig. Schlechtes Essen? Na, es könnte verdorben sein, vergammelt oder sogar schimmelig, verfault oder faulig, Obst kann mehlig sein oder wurmig, Wein vergoren, Bier umgekippt, Kuchen verkohlt, Butter ranzig und eine Menge anderer Dinge eklig. Von denen wird einem dann übel. Widerlich!
Schlechte Unterhaltung ist langweilig, monoton oder eintönig, unerquicklich oder lästig. Letzteres sind auch Zeitgenossen, sie können aber auch störend, nervtötend, unwillkommen oder zu nichts zu gebrauchen sein. Was auch immer sich den Anstrich von Professionalität gibt, diese aber nicht besitzt, ist dilettantisch, nichtig, stümperhaft, laienhaft, handgestrickt. Vielleicht auch lausig oder miserabel. Dieses passt auch auf innere Zustände. Man fühlt sich mitunter unglücklich, traurig, angefressen, entnervt, leer, beschissen. Vielleicht auch einsam. Deswegen gehen manche gern ins Pub. Wie ich.
Bedingungen können widrig und ungut sein, zu wünschen übrig lassen. Vieles ist nicht das Gelbe vom Ei, dann bestimmt auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die meisten von uns haben eine Prüfung schon mal vermurkst, danach fühlt man sich mies, saumäßig, missraten. Es ist einem arg. Trotzdem sollten wir nicht allen glauben, die uns als jämmerlich, abscheulich, ruchlos, perfide, verderbt, verabscheuenswert, charakterlos hinstellen. 
Das schreit zum Himmel? Geben Sie es doch zu, Sie sind knausrig, geiziger geht's nicht, deswegen sparen Sie sogar mit Worten. Selbst schuld, denn es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, es mit "nicht so toll" aufzunehmen. Weil: "nicht so toll" ist allenfalls suboptimal.
Tschö!
Ihre
Kea Laverde


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