Freitag, 26. November 2010

Lesen!

Impressionen von der Präsentation des Adventsthrillers
"Süßer der Punsch nie tötet" am 24.11.2010 in Bamberg.







Süßer hat der Punsch wahrhaftig nie Spaß bereitet ...
Danke an alle, die geholfen haben, diesen Abend zu einem tollen Erlebnis zu machen, allen voran die Gastgeber, die Buchhandlung Hübscher, Saxofonist Oliver Herrmann und unser geschätztes Krimipublikum! Bamberg-Guide hat auch eine inspirierende Fotostrecke ...

Mittwoch, 24. November 2010

Sie fühlen sich schuldig?

Guten Tag, hier spricht Kea Laverde,
wieder von ihrem Hauptquartier im Shamrock aus. Hier kann ich nämlich ungestört arbeiten. Man kennt mich und lässt mich in Ruhe schreiben, und wer mich nicht kennt, lässt mich schon gleich dreimal in Ruhe, denn ich kann so richtig unnahbar gucken.
Selbst zu Hause, wenn ich schreibe, an einem Projekt arbeite, redigiere und so weiter, habe ich den Anrufbeantworter zwischen mich und die Welt geschaltet. Es ist nämlich echt leicht, sich schuldig zu fühlen, weil man Anrufe nicht entgegennimmt, Mails nicht liest und Blumenbeete nicht bewässert.

Zugegeben: Es ist sehr einfach, sich schuldig zu fühlen, weil man Aufgaben ignoriert, die nicht mit dem Schreiben zu tun haben. Weil wir gelernt haben, in der Schule und später an der Uni und dann im Arbeitsleben, und weil wir das, seit wir keine Kinder mehr sind, selten hinterfragt haben, weil sich viele von uns eine Familie angelacht haben, in der ständig einer was von uns will ... also wir haben folgendes gelernt: Ich selbst, mit meinem Bedürfnis, einfach zu sein, meinen Vorlieben nachzugehen, das zu tun, was ich liebe und was ich gut kann, komme immer als letzte dran. Weil alles andere wichtiger ist, bedeutender, wertvoller. Weil - aus irgendeinem der Welt seit Anbeginn mitgegebenem Grund - das Reparieren einer Wasserleitung besser, wichtiger und teurer (!) ist als das Schreiben eines neuen Kapitels in einem Liebesroman.

Geben Sie es doch zu, wenn Sie Autorin oder Ghost sind: Sie sind auch schon in die Schuldfalle getappt, weil sie einem Kunden, Kumpel oder eine Kaffeekränzchenfreundin von früher die kalte AB-Schulter gezeigt haben. Nur - wie sonst soll das funktionieren mit uns Freiberuflern.
Die Laverde arbeitet daheim, die ist sowieso da. Sagen sich diverse Menschen und schwupps haben sie meine Nummer gewählt und hängen in meiner Leitung, unterbrechen den Fluss der Ideen. Sie blocken mich, wenn es nicht so dramatisch läuft, höchstens ein paar Minuten, bis ich wieder - aufseufzend - im Plot meiner Geschichten versinke. Wenn es fies läuft, ist der ganze Tag versaut. Schlechte Laune: "Warum musste mich der auch anrufen!" Selbstanschuldigung: "Wieso habe ich nicht den AB angeschaltet!" Ärger: "Wie soll ich eigentlich meine Abgabefrist einhalten?"
Der Energiestrom ist tot, aus, vorbei, da bewegt sich nichts mehr, du stehst auf, braust dir einen Kaffee, schäumst Milch, die Bewegung, die eigentlich die Finger über die Tasten schicken sollte, ist irregeleitet und betätigt Kaffeefilter und Zuckerstreuer.

Nein, so nicht.
Ich habe beschlossen: Ich fühle mich nicht mehr schuldig. Auch wenn Frau Laverde senior fünfmal auf mein Band spricht - ich lasse sie sprechen, dann hat sie sich ihren Kram von der Seele geredet. Wenn ich schreibe, schweigt die Welt. Ich bin zufrieden, weil ich Prioritäten setze und konsequent handele. Ob Störenfriede auch zufrieden sind, ist deren Bier. Für deren Seelenfreude bin ich nicht zuständig. Ich verspreche lediglich, dass ich zurückrufe, wenn Sie meinem elektronischen Stellvertreter eine Nachricht anvertrauen.
Kommen Sie schon, Sie können sich doch allen Ernstes nicht mehr schuldig fühlen. Dann sind Sie aber wirklich selbst schuld!

Freitag, 19. November 2010

Die Rastlosigkeit des Schreibenden

Schreiben ist eine feinmotorische Tätigkeit. Das Texten, Plotten, klar, das verlangt Planung, Kopfschufterei, ist ein großes Ganzes, ein Prozess, zielgerichtet, meistens zumindest. Vergessen wir nur nicht die Hände und Finger, die unser Schreiben ausführen. Sei es mit dem Stift oder an einer Tastatur. Und nein, wir sprechen hier nicht von den Spracherkennungsprogrammen, mit deren Hilfe wir einem Computer unsere Geschichten diktieren können.
Die Motorik ist die Verbindung des Autors mit der Wirklichkeit. Sie schlägt eine Brücke von jenem ätherischen Land, wo die Figuren aus unserem Kopf leben und ihre Schlachten schlagen, zu jenem Kontinent, auf dem wir selbst zu Hause sind: die sogenannte Wirklichekit. Wo unsere Füße stehen, unser Körper sich nährt, wo wir - schreiben. Die Finger übersetzen die Gedanken in Materie. Die Gedanken regen sich in ihnen, ruhelos oftmals, wenn die Geschichte sich aus dem Dunkel zu schälen beginnt. Das Schaffen von Kunstwerken beschreiben die Künstler als "Häutung". Ein Prozess ist im Gange, der sich unaufhaltsam, nach seinem Timing, nach seinen Vorgaben und Naturgesetzen gestaltet. Da lässt sich nicht eingreifen. Die Ruhelosigkeit, das Beben in den Fingern unmittelbar vor der Häutung muss man einfach ertragen. Da helfen weder beruhigende Getränke noch lange Spaziergänge. Die Geburt der Geschichte kündigt sich an, ihrem eigenen Rhythmus folgend, manchmal Tage zuvor, manchmal von einer Minute zur nächsten, und wehe dem Autor, der dann kein Schreibzeug dabeihat. (Nebenbemerkung: Ob ein Schriftsteller wirklich ein Professioneller ist, äußert sich darin, ob er immer Stift und Papier mit sich führt ;))
Meine neuen Geschichten, meine Figuren regen sich zuerst in meinen Fingern. Etwas will raus. Strom fließt. Die Betätigung der Finger auf der Tastatur, der Hand auf dem Papier erdet. Die Motorik schafft die Tatsachen. Habe wieder Bodenhaftung.
Gut so.
Achten Sie auf Ihre Hände!

Sonntag, 14. November 2010

Wegen Überflutung geschlossen

Der Fluss der Ideen treibt träge dahin. Du stehst am Ufer und schaust zu. Lässt ein, zwei Kiesel springen. Die Sonne scheint warm auf das Wasser. Ab und zu springt ein Fisch. Du bewunderst die bunten Libellen. Schreiben am Anleger. Die Strömung beschleunigt. Wind kommt auf. Ganz sacht fährt er dir durchs Haar. Du lehnst den Kopf zurück, blinzelst in den Himmel. Da ziehen ein paar Wölkchen vorüber. Weiß, knuddelig. Nichts Dramatisches. Weiterschreiben.
Irgendwann glänzt das Papier im Sudelbuch nicht mehr ganz so weiß. Du nimmst die Sonnenbrille ab. Doch anstelle der goldenen Abendstimmung, die du am Himmel erwartet hast, brauen sich dort dicke, violette Wolken. Die Sonne lugt noch ein paarmal vorsichtig durch ein paar Löcher in der Wolkendecke. Dann senkt sich Finsternis über den Fluss. Du bemerkst, dass er beschleunigt, der Wind wird stärker, blättert die Seiten im Sudelbuch um. Unangenehm kühl, so ein Tag, und das Wasser schleppt Äste und allerhand Kram mit sich. Das Treibholz verfängt sich im Rohrblatt am Ufer, schon bildet sich eine Insel aus Stämmen und Ästen, mittendrin ein Schuh, ein erster Regentropfen verwischt die Tinte, das Wasser steigt, steigt, rauscht und wogt, überschwemmt den Anleger. Du ziehst die Füße ein, springst auf, läufst über den bebenden Holzsteg, springst an Land, doch der Fluss reißt das Stück Erde, auf dem du stehst, aus dem Ufer. Du schlingerst durch das schäumende Wasser, schnappst nach Luft, das Sudelbuch ist längst weg, der Stift auch, wo ist oben, wo unten? Keuchend ruderst du mit den Armen, ein menschenleeres Kajak schießt vorbei, die Strömung hält dich in der Mitte des Flusses, keine Chance, ans Ufer zu kommen, da sind Felsen, der Fluss treibt dich direkt darauf zu ... CUT ...
Manchmal scheint es fast, als könne man in der Flut der Ideen ertrinken ...

Montag, 8. November 2010

Claude-Yves

Kennen Sie Claude-Yves?
Ich kannte ihn bis heute morgen nicht. Heute morgen tauchte er urplötzlich und unerwartet auf. Wieder eine von diesen Figuren, die aus den Kulissen treten und Einlass begehren. Hej, ich will mitmachen in deinem neuen Buch! Gib mir eine Rolle, na los!
Claude-Yves also ist der Restaurantchef des "La Méditerranée" - und wer denkt da nicht an den wundervollen Chanson von Georges Moustaki. Doch halt! Claude-Yves - mystisch genug - stamt aus Kanada, aus Québec, hat einen französischen Pass und ist Kunde bei Ghostwriterin Kea Laverde. Die ghostet seine Autobiografie, wobei jedes Kapitel abgerundet wird von einem Rezept, einer ganz speziellen Kreation von Claude-Yves persönlich.
Jetzt fragen Sie mich bitte nicht, woher ich die Idee zu Claude-Yves hatte! Ich kenne keinen Claude-Yves persönlich, ich wollte keinen Koch in dem Buch haben, schon gar keinen frankophonen, doch mit einem Mal ...
Das ist das Mysterium des Schreibens und Geschichtenerfindens. Dinge geschehen. Figuren schleichen sich ein. Drinks stehen auf dem Tisch, auf die man eigentlich momentan (bewusst) gar keinen Appetit hat. Da dampft ein Ratatouille, garantiert mit einem Beifußzweig garniert - aber warum?
Ich! Weiß! Es! Nicht!
Wirklich - das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Warum quälen Sie sich auch so sehr mit den Warums und Wohers, liebe Leser? Ist das noch ein Reflex aus der Schulzeit, wenn die Deutschlehrer wissen wollten, was denn der Autor mit dieser Scherbe und diesem Glas und diesem Nebensatz gemeint habe.
Ich verspreche: Ich habe nichts gemeint. Claude-Yves stellte sich vor und ich fand ihn nett. Also macht er mit in Keas 6. Fall. Sie werden ihn kennenlernen. Auch wenn bis dahin noch ein wenig Zeit ist ...

Dienstag, 2. November 2010

Bethany and the coffee brewing story

Bethany, a writer from Chicago, and I met on twitter, got connected and every once in a while we like to exchange some inspirational hellos and his about things like writing, creativity and inspiration.
Last summer, I commented on her blog saying:
I like the idea of brewing a story - like coffee! Because I am both, coffee- and literature-addicted, and I also know that the taste of coffee changes, depending on the time of day you brew it, of the place and even country where you do it. (May[be] it depends on the water ...) Think about Greek mokka or Turkish coffee! What I am thinking about: When I change the place, live somewhere else, will I brew another writing style?
So, what I think is: Not only the ingredients make the story! The whole context makes it a whole! Since Bethany and I discussed this idea, I was musing about the coffee metaphor over and over again. In the end, I didn't muse about coffee or writing so much; I rather considered my daily life, my routines, the seasons in my Central European country, the wheather, my occasional travelling, social networks, friends, family, demands in teaching and so on. They've for sure all got an influence on my writing. What makes it most visible is travelling. Living somewhere else means first of all that you come close to a spring of inspiration. New impressions, new people, new friends. I found out that I am a good researcher, when I am abroad, that I can easily take notes, journal or check plots and settings of a story. I also like to edit, re-edit and correct my texts. But I am not good at writing stories, books or even chapters of books, while I live somewhere away from home.

I don't know why. Maybe because the discipline we need for writing can't deal with too much distraction, and distraction is abundant, while you travel. Wouldn't it be quite stupid to lock yourself in a room for writing 8 hours a day, why you could walk around to see the marvels of a foreign country? Jet lag and an unaccostumed rhythm of meals, sleeping, meeting people, going out and coming home also make it difficult for me to write during journeys. Probably I'd need half a year somewhere else to get used to everything there and to finally start writing long stuff.

But what about the small literary genres like poetry, minimalistic prose, "calligrammes", haiku, aphorisms? Any writing is a good school for writing, that's what I tell my students, when they are reluctant to practise writing. Even some short notes on a shopping list can become a nice little art form. So I started to appreciate those writing experiences: sparkling little pieces of text, coming to me from somewhere, like a friendly joke, a "scherzo musicale", just for the fun of it, just to frolic, to please me.
I am glad that I could save some of the delight I enjoyed while travelling and take it home: materialised in a note book and - perhaps more important - as an unforgettable sensation, a memory of the person I was while I lived somewhere else in the world.

I wouldn't call it an accumulation of ideas and impacts I can refer to when I run out of inspiration. This makes it too technical, in my perspective. It is not a list. It is a piece of art, a scribbled image of myself. A source of a positive, adventurous, energetic me.

I am sitting in my home office now. The November outside doesn't raise my spirits. I can hear cars and busses running back and forth. There is such a typical sound of tires on a wet street. Somewhere in the house a neighbour slams a door. I am looking forward to sitting in front of a spitting fire tonight. Winter is coming, a time to shut oneself away. I'll brew myself a good cup of coffee, or let it be a latte macchiato with Kahlúa, and then I'll take my waste book from last summer out ... hm ... let's see ...


Chiemsee, South of Germany// photo: FS // all rights reserved