Sonntag, 31. Januar 2010

Tu was, Held!

Schlimme Bücher sind Bücher mit passiven Helden (und wir sind hier nicht in einem literaturwissenschaftlichen Seminar)! Ich meine Helden, die rumstehen und gucken, während irgendwelche Ereignisse um sie herumwirbeln. Helden, von denen wir gerne lesen, greifen ein. Sie ermittlen nicht nur, was los ist, sondern sie treten mit Handlung in Vorleistung.

Samstag, 30. Januar 2010

Kreativitätsvorhersage

Das Tolle - und Nervige - an der Kreativität ist, dass sie nicht vorhersagbar ist. So ähnlich wie Wetter ... "Keziban" lässt grüßen. Ein prima Name übrigens für eine neue Story!

Donnerstag, 28. Januar 2010

CrimeTime

Einige Leser fragen, warum ich vor allem über das Schreiben an sich berichte. Sie wollen mehr über das Krimi-Handwerk hören. Also gibts hier demnächst ein paar Beiträge speziell zum Krimi, siehe das Label "CrimeTime" (Sprachhüter: "Krimi" ist schon vergeben). Viel Vergnügen!

Dienstag, 26. Januar 2010

Reden, reden, reden

Kea Laverde ON AIR again!
Wie kommt man als Freiberufler zu etwas?
Indem man möglichst vielen Leuten von seinen Plänen erzählt. Genau das ist der Geheimtipp, den die jungen Kollegen, die gerade anfangen wollen, brauchen. Quatschen Sie sich den Mund fusselig, aber reden Sie über das, was Sie tun, tun wollen, anbieten, planen usw.
Manche Typen sind einfach zu zurückhaltend. Die kommen nie zu was. Wenn Sie für sich allein am Milchfläschchen züllen - wohin wird das führen? Nirgendwo hin. Gehen Sie in eine Kneipe, suchen Sie sich ein paar nette Leute raus, und erzählen Sie, was Sie machen. Als Ghostwriterin habe ich schon etliche Aufträge mit dieser Masche an Land gezogen. Vielleicht nicht sofort, manche erst ein Jahr später - doch die eine oder andere Flaute habe ich dadurch gemeistert, dass ich aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht habe. Man trifft nämlich immer einen, der einen kennt, der genau das braucht, was man zu liefern imstande ist.
Ist doch ein guter Grund, ins Pub zu gehen, wie?
Schönen Abend!
Ihre
Kea Laverde

Mittwoch, 20. Januar 2010

Landshut

Genau, "Bisduvergisst", Kea Laverdes vierter Fall, spielt in Landshut. Zur Landshuter Hochzeit. Die nur alle vier Jahre stattfindet. Ich musste die Chance nutzen. Habe Landshut abgegrast. Bin - zur Hochzeit eben - in eine andere Zeit gefallen. Ins 15. Jahrhundert, um genau zu sein. Aber dennoch ist der Krimi kein historischer Krimi. Warum dann der Zeitsprung?

Weil Menschen manchmal die Sehnsucht verspüren, sich auszuklinken, alles hinter sich zu lassen. Das kann räumlich geschehen - aber auch zeitlich. In Landshut gelingt das. Wenn die Kostümierten durch die Straßen ziehen, die Musikanten, Gaukler, Moriskentänzer, dann erlebt man als Besucher einen Zeitsprung. Raus aus dem Heute und rein ins Damals, in die Vergangenheit. Vergangenheit aber hat immer mit Erinnerung und Vergessen zu tun - und darum geht es in "Bisduvergisst". Kea schreibt die Autobiografie einer alten Dame. Irma, 82, hat die Diagnose Alzheimerdemenz bekommen. Für ihre Enkelin Julika möchte sie ihre Erinnerungen bewahren, und so beauftragt sie Kea als Ghost. Aber Kea bemerkt bald, dass Irma nur ein einziges Ereignis aus ihrem Leben abarbeiten will. Ein Schuldgefühl, eine diffuse Angst. Gemeinsam mit dem Journalisten Magnus Kreuzkamp philosophiert Kea über das Erinnern und das Vergessen: Warum können wir nicht einfach beschließen, etwas zu vergessen? Weshalb entgleiten uns bestimmte Erinnerungen, während andere wie Pech an uns kleben? Hat Erinnerung nur mit Gedächtnis zu tun? Ist es nicht auch eine soziale Verantwortung, ein gemeinsames Tun?

Womöglich tut die Landshuter Hochzeit (bei allem anderen, was sie ausmacht) genau das: Sie eröffnet eine kollektive Erinnerung an eine Zeit, die keiner von uns erlebt hat, die wir uns aber vorstellen - und uns in ihr.

Sonntag, 17. Januar 2010

Krimilust statt Winterfrust

Klar. Einspringen ist kein Problem. Krimiautoren sind spontan und allzeit bereit. Wenn ein Kollege absagt, weil er aus Versehen den Abend doppelt gebucht hat, schleiche ich aus der Kulisse. Ich bekam die Anfrage von Veranstalterin Clarissa van Amseln, brauchte ein paar Stunden zum Nachdenken, Umplanen, Leute anrufen und -bingo!
Im Ernst. Das Lesen - vor Publikum! - hat mir schon richtig gefehlt. Sie können mich am Donnerstag, 21.1.10, um 20:00 Uhr in Bamberg im Atelier Q-nst sehen und hören. Mit dabei: Bambergs bekannteste Privatdetektivin Katinka Palfy und Kult-Ghostwriterin Kea Laverde.
Krimilust statt Winterfrust! Herzlich willkommen!

Samstag, 16. Januar 2010

Über Gewalt

Krimiautoren sehen sich zuweilen der Frage ausgesetzt, wie sie es denn mit der Gewalt hielten.
Hm.
Also, ich kenne keine gewalttätigen Krimiautoren, aber ich kenne eine Menge Krimiautoren. Ich würde sagen: Der typische Krimiautor ist eher zurückhaltend, vorsichtig, womöglich sogar distanziert, auf alle Fälle individualistisch ...
Blödsinn. Die Frage zielt natürlich auf etwas anderes ab. Krimiautoren schildern Gewalt, und das ist manchem Leser zu viel. GEWALT! So was! Ein häufig geäußertes Argument lautet, im wirklichen Leben gäbe es schon so viel Schreckliches, da könne man es nicht aushalten, auch noch in Büchern davon zu lesen.
Mag ja sein, dass unser reales Leben brutal ist. Die Nachrichten machen auch nur bedingt Spaß, weil sie uns die unterschiedlichsten Grausamkeiten um die Ohren hauen. In der Literatur allerdings ist es eine bewährte Technik, die Zustände der Gesellschaft über das Verbrechen zu schildern. Daher schreiben wir über Gewalt nicht unbedingt und ausschließlich mit der Absicht, unsere Leser zu schockieren und ihnen schlechte Träume zu machen. Das Gewaltverbrechen führt vielmehr in die Abgründe des Menschseins, weil es immer eine Frage nach dem Warum gibt. Krimiautoren konstruieren einen Plot, in dem die böse Tat in einen Zusammenhang gestellt wird, der mit dem Menschen, seiner Geschichte und seinem Umfeld zu tun hat. Was das Verbrechen nicht rechtfertigt, nicht schönt, nicht läutert; nur erklärt.
Im Übrigen ist die Wirklichkeit viel grausamer, als es eine Geschichte je sein kann. Denken Sie nur an den Familienzwist zu Weihnachten ...

Donnerstag, 14. Januar 2010

Zeitzeugen

Für "Bisduvergisst" habe ich zum ersten Mal in meiner Krimiautorenkarriere Zeitzeugen gesucht. Also Leute, die eine Zeit miterlebt, durchgehalten haben, die vergangen ist - wenn man "Zeitzeuge" mal so definieren möchte. Zum ersten Mal war ich ein klein wenig Kea Laverde, saß in Wohnzimmern vor Kaffee und Keksen, das dicke DIN A 4-Notizbuch auf dem Schoß, und arbeitete mich in fremde, aber wirkliche Leben vor. (Nicht, dass ich mit meinen Romanfiguren keine Interviews führen würde, doch dabei bin ich mit meiner Fantasie allein und ungestört.)
Nein, meine Zeitzeugen wollen nicht genannt werden. Sie haben ihre Pflicht und Schuldigkeit getan, indem sie mich in eine mir fremde Epoche einführten. Genauer gesagt in den Frühling des Jahres 1945. Das Kriegsende stand kurz bevor. Man hatte die unterschiedlichsten Hoffnungen. Bücher sind darüber genug erschienen, Fernsehsendungen wurden ausgestrahlt. Aber lebendige Menschen erzählen eben anders. Ihre Geschichten sind nicht aufbereitet, nicht didaktisiert, nicht durch viele Filter gegangen. Sie stecken voller Wiederholungen, schwarzer Löcher, Ungereimtheiten. Erinnerungen fluten plötzlich herbei, ungefragt, ungewollt. Da kommen keine Informationen, wie wir sie im Internet abrufen können. Da kommt vor allem eins: ein ICH. Individuelle Gefühle und Erlebnisse, Hoffnungen und Ängste.
So basiert Keas vierter Fall "Bisduvergisst" zu Teilen auf einer wahren Begebenheit. Ghost Kea schreibt die Autobiografie einer Frau, die an Demenz erkrankt ist und ihre Lebensgeschichte für ihre Enkelin retten will. Und bald entdeckt Kea, wieviel Verdrängung, Verzweiflung, welche Schuldgefühle sich in einem Menschen stauen können.
Der Roman ist ein Produkt der Fantasie. Aber die Lebensgeschichte, die Kea verfasst, hätte so passieren können. Und Sie hätte jedem von uns zustoßen können, wenn wir damals gelebt hätten ...

Montag, 11. Januar 2010

Der leere Kopf

Eine Erfahrung aus einer Schreibwerkstatt. Wir beginnen jede Sitzung mit 5 Minuten freiem Schreiben. Das bedeutet: Einfach hinsetzen, Stift nehmen, Papier, und los. 5 Minuten irgendwas schreiben. Den Gedanken freien Lauf lassen, für fünf Minuten. Es ist auch erlaubt, "Ich hasse diese Übung" 5 Minuten lang auf die Zeilen fließen zu lassen. Diese Technik stammt aus dem Creative Writing. Menschen, die vom Schreiben leben, jeden Tag ein paar Seiten zu Papier bringen müssen, können sich keine Blockaden leisten. Sie brauchen einen Start in den Text, und dazu reichen meistens 5 Minuten.
Ich bringe den Teilnehmern in meinen Schreibwerkstätten diese Übung v.a. deshalb nahe, damit sie lernen, dass man einfach anfangen kann. Ohne lange Vorbereitung, ohne Brüten. Dann brachte eine Teilnehmerin eine zweite Erkenntnis auf den Punkt: "Wenn ich 5 Minuten einfach schreibe, wird mein Kopf leer. Ich schreibe mir alles von der Seele, was bis zu diesen 5 Minuten passiert ist, in mir feststeckt. Dann läuft im Kurs alles leichter."
In diesem Sinne: Fröhliches Entrümpeln!

Donnerstag, 7. Januar 2010

Über Käuflichkeit

Hallo, hier spricht Kea Laverde,
und ich sitze im Shamrock, und nein, ich verrate Ihnen immer noch nicht, wo das ist, denn meinen Lieblingspub will ich für mich haben.
Allerdings hatte ich hier neulich eine ziemlich unerfreuliche Diskussion am Tresen!
Normalerweise wird man im Shamrock in Ruhe gelassen. Die Stammgäste kennen sich und gönnen einander das bisschen Frieden bei einem Guinness. Doch mitunter flattert ein Vogel in den Pub, der besser anderswo genistet hätte, und das passierte neulich.
"Ghostwriterin? Hä? Die Prostituierten unter den Schmierfinken? Machen, was der Kunde will, handeln alles vorher aus, verdrehen die Wahrheit, liefern, was gewünscht wird."
Bums, da hatte ich den Salat. Für diesen Heini war ich nicht nur ein Geist, unsichtbar, verborgen hinter den Masken und Fassaden meiner Brötchengeber, sondern auch noch Hure. Schreibure. Sollte ich mal auf dem nächsten Formblatt angeben, auf dem nach meinem Beruf gefragt wird. Nur so, um die Reaktionen zu testen.
Ghostwriter gelten als käuflich. Da rümpfen sich Nasen, als täten wir etwas Illegales, wie die bestechlichen Anzugträger in den schicken Etagen der Bankhäuser. Bloß: Bei denen gehört Korruption zur Corporate Identity. Nicht bei uns Geistern. Meine berufliche Identität definiert sich über völlige Unsichtbarkeit, Zuverlässigkeit und Diskretion.
Der Kunde will einen Text? Ich schreibe ihn. Er will mehr Adjektive? Er bekommt sie. Er braucht noch ein paar seelische Streicheleinheiten? Ich pinsele ihm den Bauch. Meistens haben meine Auftraggeber es schon selbst probiert mit ihrem Buch und sind kläglich gescheitert. Sie haben ein Problem (wenn es denn nur eines wäre!): Ein Problem mit den Verben, ein Problem mit der Gliederung, ein Problem mit dem Rechner. Ich löse diese Probleme und liefere einen lesbaren Text. Das tut ein Geist. Gegen Geld. Mehr tut er nicht.
Also, liebe Frömmler unter den Kulturfreaks, Studienräte und Literaturwissenschaftler, für die ehrlich bezahlte Schreibarbeit gleichbedeutend ist mit Käuflichkeit! Mag sein, dass ihr Schreiben gegen Geld promiskuitiv findet. Die meisten Menschen nehmen ihre eigenen Überzeugungen ja so wichtig, dass sie irgendwann von ihnen regiert werden. Wie der Vogel neulich im Shamrock. Ich habe ihn reden lassen und mich dann meinem Guinness zugewandt. Den Typen einfach nicht mehr beachtet.
Manches kann man nicht ernst nehmen.
Denken Sie dran, bevor Sie sich das nächste Mal grün und blau ärgern.
Ihre
Kea Laverde

Mittwoch, 6. Januar 2010

Es geht aufs Ganze

Es ist Januar, und der Abgabetermin für Kea Nr. 4 naht. Diese Phasen, in denen ich auf eine Frist zuschreite, mag ich. Es sind Zeiten der Aktivität. Jetzt geht es darum, resolut, konzentriert das Ziel zu fokussieren. Gleichzeitig haben solche Zeiten etwas Gespenstisches. Was, wenn jetzt die Fantasie versagt, nicht mehr genug ausspuckt? Was, wenn die Idee, die mir vorgestern noch toll und aufregend erschien, heute ganz Banalität auf dem weißen Bildschirm blinkt und mich schwächlich anlächelt?
Nie fließt mehr Energie zwischen Kea und mir als in den letzten vier Wochen eines Projekts.
31. Januar. Deadline. Die "Todeslinie". Bin dafür, das Wort fortan auf deutsch zu gebrauchen. Es ist einfach drastischer ...