Mittwoch, 4. August 2010

Silberzwirn

Neulich habe ich - ghostmäßig - eine Twitterdiskussion meiner Autorin mit zwei anderen Schriftstellern belauscht. Mariam Kobras und Paco Blue. Es ging darin um Inspiration. Die Gedanken flatterten hin und her. Woher sie kommt. Wie man ihrer habhaft wird. Was man dann mit ihr tut. Und so weiter. Ein Bild schwebte herbei: the silver thread, und auch dazu gab es unterschiedliche Vorstellungen. Silberzwirn (Schmöe), aber Mariam Kobras wollte etwas Spinnwebenmäßiges darunter verstanden wissen. Hm.
Ich hockte die halbe Nacht in meiner Küche und genoss den Chianti und dachte nach.
Inspiration. Kommt einfach so. Bei mir kommt sie meist, wenn ich mich einfach hinsetze und beschließe: Ich brauche ein wenig Inspiration für dieses und jenes Buch. Meine Bitte um Inspiration (ich stelle mir vor, sie käme zu mir wie ein unscheinbarer Gast, durch die Hintertür und recht schüchtern) dreht sich immer um ein konkretes Projekt. Meine Autorin sagt aber, sie stößt auf die Inspiration, die sie sucht, indem sie etwas ganz anderes tut als Schreiben.
Meiner Erfahrung als Ghost folgend muss ich bestätigen: Es gibt beides. Die Ideen fließen, wenn du einfach loslegst, Hände auf die Tastatur! Getippt wird! Dalli! Und ebenso taucht sie dann auf, wenn du den Computer herunterfährst, den Stift weglegst. Gerade dann! Du fängst an, dein Arbeitszimmer aufzuräumen (endlich!) - schwupp! Sie ist gekommen. Kannst gleich wieder den Einschaltknopf drücken.
Inspiration ist nicht unbedingt so eine typisch-klassische Allegorie wie die "Muse". Inspiration hat etwas Abseitiges, Dreckiges, Freches, Vorsichtiges, Erschöpfendes, Bekifftes, Witziges, Augenzwinkerndes. Die Twitterfreunde beschworen das Bild eines Dämons, der dir auf der Schulter sitzt. Ein Inspirationsgeist (das mag ich!), der die Welten durchwandert. Unzuverlässig, geliebt, begehrt. Es gibt auch bisweilen zuviel an Inspiration. Sagt meine Autorin.
Hm. Stimmt auch irgendwie. Ich bin manchmal in Ideen fast ertrunken.
Ach - was weiß denn ich.
Jetzt trinke ich erstmal diesen Chianti aus.
Salute!
Ihre
Kea Laverde

1 Kommentar:

PvC hat gesagt…

Herrlich, diese Beschreibung! Hat mich gleich zu einem eigenen Beitrag inspiriert, wo ich feststelle, dass meine Inspiration derzeit einem Flattergeist gleicht, dem man das Biotop weggenommen hat.
Ich stoße dann mal mit einem Elsässer Sylvaner an!