Donnerstag, 31. Dezember 2009

Kälberstrick

Ich bin's schon wieder, Kea Laverde.
Man denkt sich ja so das Seine, in diesen Zeiten. Nicht, dass ich in meiner Lieblingskneipe abhänge, um Trübsal zu blasen, aber die Nachrichten flattern einem ja nur so um die Ohren. Bislang habe ich sämtliche Jahresrückblicke bestreikt. B. Obama interessiert mich nicht, an die Achse des Bösen glaube ich nicht, und Sportereignisse wie Wahlen gehen an mir ziemlich spurlos vorbei. Ich bin damit beschäftigt, als Geist die Lebensgeschichten anderer Leute aufzuschreiben, und das kostet Zeit und Energie. Nun jedoch lässt Paddy, der Wirt, im Shamrock an Sylvester den Fernseher laufen. Alle positiven Gefühle und Sehnsuchtslisten, die ich im Hinblick auf das neue Jahr bis zum 31.12. bewahrt hatte, sind dahin. Jetzt wird der Nacktscanner in Stellung gebracht. Auf welcher äußersten Rille kann eigentlich das menschliche Hirn noch laufen?
Wir werden am Kälberstrick geführt. Ich, Sie, ja Sie, mit dem Proseccoglas in der Hand, die Sie gerade noch diesen Beitrag lesen, bevor Sie sich ans Sylvestermenü machen. Freiheit, die ich meine, finde ich noch in der Wüste (ich war Reisejournalistin, ich weiß, wovon ich rede), vielleicht am Shamrock, aber nur, wenn der Fernseher nicht knattert. Ansonsten würgt uns der Strick, und er zieht sich immer enger zusammen. Weil Sie nämlich fortan immer wieder beweisen müssen, dass Sie ein guter Mensch sind. Weil Sie beweisen müssen, dass Sie nichts Böses im Schilde führen. Weil Sie nicht einmal mehr das Recht haben, in Ruhe gelassen zu werden - es sei denn, Sie haben Ihre eigene Klärgrube und wohnen autark im Wald.
Wehren Sie sich, zieht sich der Strick nur noch fester zusammen. (Sie sind überzeugt, auf keiner Liste zu stehen? Ha!) Sie müssen schon gut Luft in den Lungen haben für 2010! Und ziehen Sie sich warm an. Läuft Ihnen bei den Worten "Bundestrojaner", "Datenspeicher" und "Nacktscanner" kein - pardon - Schauder über den Körper?
Ich verspreche Ihnen, das kommt noch. Obwohl es ja Leute geben soll, die Fingerabdrücke im Reisepass ganz wunderbar finden. Bin ich froh, dass ich ein Geist bin.
Prost Neujahr!
Ihre
Kea Laverde

Sonntag, 27. Dezember 2009

Genius is born - not paid. Oscar Wilde

Geistesgegenwart ist eine Kunst - und Übung. Aber seit heute habe ich eine perfekte Antwort. Ich habe sie bei Oscar Wilde ausgeliehen - danke, Oscar!
Es kann manche Party retten, wenn Sie im Laufe eines eher durchwachsenen Abends sagen, was Sie machen, und dieses "was" ist dann: Schriftstellerin. Lustig ist der Fortgang des Abends aber nur bedingt - wenn Sie AutorIn sind, seien Sie also vorsichtig mit der Preisgabe Ihres Jobs. Denn garantiert kommt die folgende Frage: "Können Sie davon leben?" Manche wollen es etwas genauer wissen: "Wieviel verdienst du mit einem Buch?" Uuups? Warum nur habe ich es dieses eine Mal nicht geschafft, zurückzufragen: "Wie hoch ist dein monatliches Gehalt?" Zu anständig (wäre ja echt peinlich), zu vernünftig (auf dieses Niveau lassen sich schreibende Geister nicht gern herab), zu ... LANGSAM!
Aber ab heute greife ich in die Zitatenkiste und schleudere den Fragestellern Oscar Wilde um die Ohren. Sehen wir mal, was dann passiert.
Und ich bin ziemlich sicher, dass Kea Laverde der Genius-Satz außerordentlich gut gefallen wird ...

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Kea Laverdes neuer Fall erscheint Anfang Februar 2010!

Sommer 2009, während der Landshuter Hochzeit. Als die 82-jährige Irma Schwand die niederschmetternde Diagnose Alzheimer erhält, beauftragt sie die Münchner Ghostwriterin Kea Laverde, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Die Autobiografie ist für ihre Enkelin Julika bestimmt. Doch kurz nach dem letzten Interview mit Irma wird das Mädchen ermordet aufgefunden. Während der Kokon des Vergessens sich immer enger um die alte Dame schließt, entdeckt Kea, dass Irma jahrzehntelang einen Mord gedeckt hat - ein Tat, die in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges geschah ...

Bisduvergisst. Der dritte Fall für Kea Laverde. Meßkirch, Gmeiner-Verlag, Februar 2010. 274 Seiten, 12x20cm, Paperback, € 11,90.
ISBN 978-3-8392-1034-5

Dienstag, 22. Dezember 2009

Tricks

Hat eigentlich jemals einer von uns verlangt, das Blatt im Sudelbuch von links oben nach rechts unten zu füllen, Zeile für Zeile?
Vielleicht bedrängt uns dieses Format schon dermaßen, dass wir zu kopfgesteuert sind und unsere Intuition, das, was wir eigentlich wollten, außer acht lassen ...
Schreiben Sie eine Schneckenspirale, schreiben Sie senkrecht, schreiben Sie in Stichwörtern, in Abkürzungen, in Bildern ...
Oder, wenn's mal ganz schnell gehen soll, in Listen.

Samstag, 19. Dezember 2009

Automatisches Schreiben

André Breton nannte es "Ecriture automatique".

Es funktioniert so:
Hinsetzen, ruhig werden, Augen einen Moment schließen, den Kopf leer werden lassen. Auf keinen Fall denken und darüber sinnieren, etwas Sinnbringendes zu tun.
Dann loslegen. Stift aufs Papier setzen.
Schreiben. Raus damit. Nicht denken, nur schreiben. Ratterratter. Wörter, Phrasen, Sätze, halbe Sätze, viertel Wörter, Silben, Buchstaben, Zahlen, Striche - egal in welcher Sprache, nur nicht denkendenkendenken.
Warum? Um die Kontrolle aufzugeben. Um die Intuition sprechen zu lassen. Um loszulassen, dem inneren Zensor keine Chance zu geben! Um herauszufinden, was man schreiben könnte, wenn man nur endlich frei genug wäre, es zu tun.
Schau nicht auf die leere Seite! Schau am besten gar nicht auf die Zeilen, die du beschreibst. Noch weniger auf die Buchstaben!
Just go!

Freitag, 18. Dezember 2009

Weihnachtspanik

Niemand kann behauptet, dass ich mich bislang mit Koch- oder Backrezepten hervorgetan hätte. Nein. Aber Plätzchen sind doch immer ein Thema - denn seit es Vampir-, Pleitegeier- und Pistolenausstechförmchen gibt, zieht der Krimi in die Küche ein. Als erstes habe ich es mit einer Bohrmaschine versucht, weil ich auf keinem Weihnachtsmarkt ein vernünftiges (erkennbares!) Revolverförmchen gefunden habe. Aber die Bohrmaschine sah eben nach Bohrmaschine aus, nicht nach Schießeisen, und damit machte das Backen nun wirklich keinen Spaß.

Versuchen Sie es mit den Pistolenförmchen, und Sie machen ganzjährig am Backblech eine gute Figur. Schöne Feste!

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Tagebuch 1

Klar führe ich eins. Sie nicht?
Stellen Sie sich keine Fragen an das Leben, die irgendwann beantwortet werden wollen? Ich halte es mit Eugène Ionesco: "Ich schreibe, um herauszufinden, worüber ich nachdenke."
Die Tai Chi-Meister führen ihre Schüler auf dem Weg weiter, indem sie lapidar sagen: "Kommen Fragen, kommen Antworten." Heißt soviel wie: Finde selbst heraus, was du wissen willst.
Das Leben ist kein Multiple-Choice-Text (obwohl immer mehr Funktionsträger es mit einem solchen verwechseln). Antworten auf die großen Fragen lassen sich nicht einfach herbeizitieren. Sie tauchen auch nicht unbedingt aus dem Nichts auf wie ein lange versunkenes, tangbewachsenes Schiffswrack. Vielmehr kreist der Mensch um seine Fragen; und um zu entdecken, welche Fragen das sind, und um sie immer enger einzukreisen, ist so ein Tagebuch der ideale Begleiter.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Hallo, hier spricht Kea Laverde,

und Sie kennen mich ja inzwischen!
Zur Zeit schreibe ich drei Bücher gleichzeitig. Das geht. Man glaubt es nicht, aber es geht. Ich komme auch nicht durcheinander. Das hat mit meiner manischen Ordnung in Sachen 'Job' zu tun. Mitunter werden wir 'Geister' angefeindet, wenn wir 'zuviel' schreiben. Doch was ist schon zuviel für einen Ghost? 10 Seiten am Tag? 3 Bücher pro Jahr? 7 Interviews pro Woche?

Ich sag's Ihnen: Ich hab's nicht so mit Zahlen. Manche behaupten, Zahlen wären Fakten, aber in Wahrheit sind sie nur gut im Tarnen und Täuschen. Alle Anfeindungen kreisen doch um das Eine: Neid. Wer kreativ ist und damit auch noch Geld verdient, zieht die Geldgesichter auf sich. Dabei ist es einfach eine Tatsache: Wer produktiv ist, vermehrt die Möglichkeit des Erfolgs. (Diese Idee stammt von Simonton!) Wer pro Jahr eine halbe Biographie schreibt, hat weniger Chancen, ein Geschäft draus zu machen, als einer, der drei Bios pro Jahr in den Rechner tippt. Goethe (mit Verlaub) hat auch mal Ausschuss produziert, aber er hat produziert. Und dann war eine Menge Gutes dabei. Oder haben Sie eine andere Erklärung dafür, warum Insekten Millionen von Nachkommen erzeugen - außer eben aus dem Grunde, dass ein paar Eisenbereifte überleben? In diesem Sinne wende ich mich jetzt wieder meinen Bücherkindern zu. Bleiben Sie dran!

Ihre Kea Laverde

Freitag, 11. Dezember 2009

Über Feedbacks

Klar freut man sich über Feedbacks. Zum Beispiel über dieses: Link
Im Prinzip gewöhnt man sich daran, dass über lange Zeit keine Rückmeldung kommt. Weil wir Autoren mit unseren Projekten alleine sind. Bis sie dann mal veröffentlicht sind, in den Buchläden liegen und im Internet oder bei Lesungen diskutiert werden, vergeht viel Zeit. Tatsächlich bin ich dann schon wieder bei einem anderen Projekt! Zur Zeit lese ich noch aus "Fliehganzleis", Keas zweitem Fall, Keas dritter ist aber bereits durchs Lektorat, und ich schreibe an Keas viertem Fall.
Meine erste Rückmeldung kommt von meinem Testleser. Er muss herausfinden, ob der Krimi (den er ausgedruckt auf DIN A 4-Papier liest) spannend ist, ansprechend, ob die Geschichte trägt, wo Lücken oder lose Enden sind, die nicht zusammengeführt werden. Er muss sachliche Fehler finden, Längen, Wiederholungen. Das zweite Feedback bekomme ich von meiner Lektorin. Meistens schicke ich ihr die Zweitfassung des Manuskripts (nachdem der Testleser seine Kritik abgeliefert hat) und baue dann mit ihren Anmerkungen eine Drittfassung, die noch einige Male redigiert wird, bis die endgültige Version vorliegt.
Früher dachte ich immer, ein Autor setzt die Feder aufs Papier, schreibt, gibt ab. Aber so wäre es zu einfach, zu schnell - und das Ergebnis nicht das, was die Leser wirklich lesen wollen. Übrigens: Kritik war mal eine Kunst - heute ist sie eher eine feindliche Gesinnung. Schade!

Sonntag, 6. Dezember 2009

Über Erfolg

"Erfolg scheint größtenteils darauf zu beruhen, dass man weitermacht, wenn andere schon aufgegeben haben." Schrieb William Feather. Erfolg könnte also mit Hornhaut zu tun haben. Die Hornhaut, die dem Gitarristen auf den Fingern wächst. Weil er nicht aufgibt, nicht mal Schluss macht, sondern übt, übt und übt. In einem Schreibseminar habe ich eine Frau kennengelernt, die zwischen dem Mittelfinger und dem Ringfinger ihrer rechten Hand ein Geschwür bekam - vom Schreiben. Sie hatte mit so viel Vergnügen geschrieben, dass sie nicht mehr aufhören konnte. Wie es sich mit dem Erfolg verhielt, weiß ich nicht. Aber glasklar ist: Nur wer schreibt, kann gelesen werden. Wer schreiben möchte, muss also schreiben, um gelesen zu werden, auch wenn ich vor das gelesen noch ein eventuell setzen könnte. Aber die Erfahrung lehrt, dass gute Bücher, gute Geschichten immer einen Weg in den Buchmarkt finden. Um gut zu werden, muss man - schreiben. In Seminaren oder auf Lesungen höre ich oft: "Ich habe so viele Ideen, ich könnte 10 Romane schreiben." Ich: "Warum tun Sie es nicht?" Dann kommen schräge Antworten. Keine Zeit, kleine Kinder, Magisterarbeit, Job.
Der Punkt ist nur: Erfolg wird sich einstellen, wenn Sie loslegen und weitermachen, aber weiter macht nur, wer einmal angefangen hat.
Und was ist überhaupt Erfolg? Das wüsste ich mal gern.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Ein Papagei aus Neuseeland

Hallo, hier spricht Kea Laverde,

die Hauptfigur in Schmöes neuer Krimiserie.
Ehrlich gesagt, mein Geschmack war das nicht, dass ich mit dem Namen eines neuseeländischen Kakadus herumlaufen soll, der auch noch grün ist. "Grüner Kakadu" klingt außerdem nach Striplokal. (O.k., o.k., ich hing eine Weile in einer Bar namens Piranha ab, die war auch nicht viel besser ...) Aber dann habe ich mich ein wenig mit den fedrigen Kumpels befasst, und ich muss sagen, sie sind ganz schön clever! Benutzen ihren Schnabel als Werkzeug, können Artgenossen ausforschen und rauskriegen, an welcher Nuss ein anderer Kea gerade knabbert. Dann war ich mit dem Namen doch gleich wieder versöhnt. Auf meine höfliche E-Mail-Anfrage antwortete mir die Autorin, Kea sei eine Kurzform zu Alkea (klingt nach Alkohol, auch nichts dagegen), dieses eine friesische Form von Adelheid (da ist ja mal was an mir vorbeigegangen!!!). Laverde wiederum hört sich für mich italienisch an - "die Grüne"? Womit wir wieder beim Kakadu, nein Papagei, wären, auch wenn die Autorin mir glaubhaft versicherte, Laverde klänge für sie nach ostpreußischem Landadel! Meine Oma Laverde hätte da bestätigend genickt. Denn man tau!

Ihre Kea Laverde

Dienstag, 1. Dezember 2009

Wer hat meinen Hund geküsst?

Den Winterkrimi jetzt gleich im Netz lesen!
Viel Spaß!